„Werdet wie Öko-Lehmann, dann braucht ihr keine Tagebaue!“

Sie wohnen im Wolkenberger Weg in Spremberg. Das ist aber nicht der Weg nach Wolkenberg, oder?

Gerd LehmannWir Wolkenberger haben zur Wendezeit durch den Tagebau Welzow-Süd unser Dorf verloren und wurden hierher umgesiedelt. Unsere Häuser hier nenne ich immer Honeckers letzte Rache. Sie haben nicht nur einige Konstruktionsfehler, sondern so viele Wärmebrücken, dass nur ein Vollwärmeschutz Abhilfe schafft. Diesen mussten wir mit Kredit selbst bezahlen, also weitere Opfer für den Bergbau bringen. Sieben Hausbesitzer konnten sich diesen bis heute nicht leisten.

Ihr Haus sieht völlig anders aus...

1995 bin ich aus Interesse an Solarstrom nach Potsdam gefahren und hab dort eine Broschüre über ökologischen Musterbau gefunden. Das wurde gefördert und hat auch geholfen, überhaupt Anträge für Umbauten durchzubekommen. Inzwischen hab ich einen Meisterbetrieb für Erneuerbare Energien und in meiner Öko- Pension können Häuslebauer und Interessierte sozusagen probewohnen.

Wie fühlt man sich als Öko-Unternehmer in Spremberg?

Das war lange nicht einfach. Viele Leute haben hier regelrecht ein Braunkohlebrikett vor dem Kopf. Inzwischen fühle ich mich nicht mehr als Vattenfall- Gegner ausgegrenzt, sondern als Mitbewerber im Energiesektor. Als einer der wenigen Kleinunternehmer war ich im letzten Jahr Projektpartner beim „Energie- land Lausitz“.

Ihre Erinnerungen an Wolkenberg sind ...

... vor allem der Jugendklub, den ich mitgegründet habe. Ich war auch einer der ersten Diskotheker damals, hab 1973 den Schein gemacht. Sozusagen war ich damals schon ein Pionier. Mein Vater war auch lange Bürgermeister, ich selbst war Kandidat dafür. Aber weil ich nicht in die Partei eingetreten bin, hatte sich das erledigt.

Gibt es so was wie eine Unternehmensphilosophie?

Meine praktische Alternative sind erneuerbare Energien für den privaten und gewerblichen Bereich. Das Schimpfen auf Erneuerbare kommt doch nur dann, wenn sie dem kleinen Mann nicht helfen, sich unabhängig zu machen. Ich will mich für die Bürger einsetzen, nicht für Prestigeobjekte.

Die nächsten Pläne?

Einen Heimatverein der Wolkenberger gründen, die Buckschen und Stradower haben das längst. Und einen weiteren Musterbau auf meinem Grundstück, am Ende soll ein innovativer Dreiseitenhof rauskommen.

Ihre Meinung zum Volksbegehren?

Zu viele Leute denken an sich und an heute, nicht an ihre Kinder. Und mit ihrem falschen Denken lassen sie die Lausitz ausbluten. Mir braucht keiner was erzählen, ich weiß, dass es ohne fossile Energien geht. Das müssen wir den Menschen klar machen. Aber nicht mit Zahlen, sondern mit Beweisen zum Anfassen. Ich bringe solche Beweise. Ich sage immer: werdet wie Öko-Lehmann, dann braucht ihr keine Tagebaue!

 

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