„Forster Unternehmen haben Angst vor dem Tagebau.“

Wie hat Ihr Dorf damals reagiert, als Gutachter die Abbaggerung des Kohlefeldes Forst empfahlen?

Matthias GeigkAuf die Veröffentlichung des Gutachtens folgte zuerst eine Zeit der Fassungslosigkeit. Aber einerseits half uns die Schaffung der Internetseite www.mulknitz.com als Kommunikationsmedium. Andererseits war es ein großes Glück, dass wir mit Bürgern anderer Orte in Gosda bei einer Infoveranstaltung der Grünen Liga ins Gespräch kamen. Im Ergebnis formierte sich die „Klinger Runde“ – unser Startpunkt des vernetzten Widerstands. Doch auch innerhalb des Ortes war es den meisten Mulknitzern wichtig, ihren Teil beizutragen. Wir organisierten eine Ökostrom-Wechselparty – etwa 70 Prozent der Mulknitzer Haushalte sind nun unabhüngig von Braunkohlestrom – einen Sternritt und sammelten Unterschriften für die Volksinitiative „Keine neuen Tagebaue“.

Was bedeutet Heimat für Sie als jungen Lausitzer?

Seit vielen Generationen lebt meine Familie hier. Sie formten meine Heimat um sie an ihre Kinder und Kindeskinder weiter zu geben. Man könnte sagen es ist ein Vermächtnis vieler hundert Jahre Arbeit. Dieser Tradition möchte ich gerecht werden. Die Zerstörung meiner Heimat bedeutet deshalb auch die Zerstörung der Arbeit vieler Generationen. Mit meiner Heimat verbinde ich die wertvollsten Erinnerungen, hier leben meine Freunde, hier fühle ich mich wohl. Meine Heimat gibt mir auch ein Gefühl der Geborgenheit, Ruhe und Sicherheit

Sie sind Diplom-Betriebswirt. Können Sie mit Ihrem Beruf in der Region bleiben?

Ich habe das Glück, einen guten Arbeitsplatz in einem großen Unternehmen gefunden zu haben, fahre dafür täglich jedoch insgesamt etwa 120 km. Viele gut ausgebildete Klassenkameraden und Kommilitonen mussten die Lausitz verlassen, weil sie keinen Arbeitsplatz fanden. Die beruflichen Perspektiven für gut qualifizierte Jugendliche sind bei uns sehr schlecht. Mich ärgern jene Stimmen, die meinen, Vattenfall wäre DER Arbeitgeber, DER Partner und DER Hoffnungsschimmer unserer Region. Mit der Wirklichkeit hat das doch nichts zu tun!

2007 haben Sie eine Umfrage veröffentlicht. Worum ging es da?

Hintergrund war die Annahme, dass die Braunkohleindustrie in unserer Region nicht nur Arbeitsplätze sichert, sondern auch mit dem fortschreitenden Raubbau Arbeitsplätze und Lebensqualität vernichtet. Deshalb befragten Leander Hirthe und ich Forster Gewerbetreibende, wie sie ihre Zukunft, beruflicher und privater Art sehen, falls das Tagebaufeld Forst-Hauptfeld aufgeschlossen werden sollte.

Und was kam heraus?

41 Unternehmer, mit 187 Mitarbeitern antworteten auf unsere Fragen. 50 Prozent der Unternehmer prognostizierten eine existenzbedrohende Situation ihres Unternehmens, sollte der Tagebau bis an Forst heran kommen, weitere 35 Prozent schlossen Entlassungen nicht aus. 83 Prozent aller Befragten sahen eine nachhaltige Einschränkung der Lebensqualität und der städtischen Entwicklung.

Sind Sie parteipolitisch aktiv?

Ich bin Mitglied der CDU.

 

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