Müllkraftwerk der LEAG könnte Kraftwerk Jänschwalde 2024 ersetzen

160314 westlich kraftwerk jaenschwalde kleinCottbus/Jänschwalde, 10.04.2019. Der Kohlekonzern LEAG will sein Geschäft mit Müllverbrennung und Fernwärme offenbar schnellstmöglich von der Verstromung von Braunkohle unabhängig machen. Er scheint sich damit auf ein deutlich früheres Ende des Kraftwerkes Jänschwalde vorzubereiten als bisher behauptet.

Am 2. April gab die LEAG bekannt, am Kraftwerksstandort Jänschwalde eine „Energie- und Verwertungsanlage“ bauen zu wollen, die 2024 in Betrieb gehen soll. Hier soll durch Müllverbrennung Strom, Prozessdampf und Fernwärme gewonnen werden. Wie aus der bei den Behörden eingereichten Anlagenbeschreibung hervorgeht, entsprechen sowohl die geplante Müllmenge als auch die Fernwärmemenge ungefähr den bisherigen Werten des Kraftwerkes Jänschwalde.

„Ein gleichzeitiger Betrieb beider Anlagen ist unwahrscheinlich, weil der Absatz an Fernwärme nach Cottbus und Peitz sich nicht verdoppeln wird. Die neue Anlage soll also offensichtlich das Geschäft mit Müll und Fernwärme in die Zeit nach der Braunkohle hinüber retten. Die für 2024 angestrebte Inbetriebnahme passt dabei nicht zu einem Betrieb des Alt-Kraftwerkes bis etwa 2030, wie ihn die LEAG bisher propagiert hat. Der Konzern scheint also mit einem deutlich früheren Ende der alten Kraftwerksblöcke zu rechnen.“ bewertet René Schuster vom Umweltverband GRÜNE LIGA die Unterlagen.

Foto: Standort der geplanten Anlage im Schatten der Kraftwerks-Kühltürme.

Hintergründe zum LEAG - Müllkraftwerk

Was ist geplant?

Maximal 480.000 Tonnen Ersatzbrennstoff (also Müll) und Klärschlamm pro Jahr sollen verbrannt werden, ausgelegt wird die Anlage für 430.000 Tonnen pro Jahr. Sie soll eine thermische Leistung von 200 Megawatt haben (2 x 100 MWth), also etwa ein Vierzigstel des ursprünglichen Kraftwerkes Jänschwalde. Die elektrische Nettoleistung liegt mit 50 MW bei etwa einem Fünfzigstel des Altkraftwerkes. Etwa 100 Megawatt thermische Leistung sollen als „Fernwärme zur Versorgung der Städte Peitz und Cottbus ausgekoppelt werden“. (LEAG/GICON: Voraussichtlich beizubringende Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung für die Energie- und Verwertungsanlage (EVA) Jänschwalde der Lausitz Energie Kraftwerke AG, Stand 27.03.2019)

Wo soll die Anlage stehen?

Das Müllkraftwerk würde direkt östlich an den Block F des Altkraftwerkes auf einer bisher ungenutzten Freifläche anschließen. Damit stünde es auf einem Teil der Fläche, die vor zehn Jahren als Demonstrationsanlage zur CO2-Abscheidung vorgesehen war. (vgl. Scopingunterlagen zum CCS-Demonstrationsprojekt Jänschwalde vom 17.12.2009)

Wird jetzt noch mehr Müll nach Jänschwalde gefahren?

Die 2004 genehmigte Mitverbrennung von Müll in den Blöcken A bis D des Braunkohlenkraftwerks Jänschwalde ist mit der Zulassung auf 3,6 Masse-Prozent beschränkt. Die jetzt geplante Anlage ist in allem deutlich kleiner, lediglich die Müllmenge und die vorgesehene Fernwärmeleistung liegen in derselben Größenordnung wie bisher im Altkraftwerk. Die wahrscheinlichste Erklärung: Die Müllmenge soll sich nicht erhöhen, sondern künftig nicht mehr im Braunkohlekraftwerk mitverbrannt werden. Damit würde die LEAG ihre Geschäfte mit Müll und Fernwärme vom Betrieb des Kohlekraftwerkes unabhängig machen.

Ist das Projekt für die Wärmeversorgung von Peitz und Cottbus notwendig?

Die Stadtwerke Cottbus haben bereits den Neubau ihres Heizkraftwerkes auf Gasbasis beschlossen, um das bisherige Braunkohle-HKW zu ersetzen. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Vlatko Knezevic sagte in einer öffentlichen Veranstaltung:

„Cottbus werde aber auch weiterhin im bisherigen Umfang Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk Jänschwalde beziehen, weil das die Wirtschaftlichkeit des Erdgasprojekts erhöht, erklärte der Stadtwerke-Geschäftsführer. Die technische Versorgungssicherheit von Cottbus mit Fernwärme sei jedoch auch dann nicht gefährdet, wenn das Kraftwerk Jänschwalde vom Netz gehe. Das könne man mit der neuen Anlage und den bestehenden Spitzenlast-Gaskesseln kompensieren, auch wenn dies nicht das Ziel sei.“ (Modernisierung der Fernwärme: Cottbus plant Umstellung von Kohle auf Gas – Pressemitteilung Heide Schinowsky, MdL, 29.03.2018)

Für den deutlich geringeren Wärmebedarf der Stadt Peitz gäbe es ebenfalls technische Alternativen zur Müllverstromung. Ob Peitz und Cottbus als Wärmemarkt für die LEAG so attraktiv sind, um unbedingt gesichert zu werden, ober ob hier eine an Kraft-Wärme-Kopplung gebundene öffentliche Förderung der Müllverbrennung gesichert werden soll, wird sich sicher bald aufklären.

Wann soll das Müllkraftwerk in Betrieb gehen?

Es scheint der LEAG sehr dringend zu sein: Die am 27. März 2019 fertiggestellten LEAG-Unterlagen zur Vorhabensbeschreibung und zum geplanten Umfang der Umweltprüfung (Scopingunterlagen) wurden vom Landesamt für Umwelt nur zwei Tage später an die Träger öffentlicher Belange verschickt und zum Scoping-Termin am 4. Juni eingeladen. Laut Pressemitteilung der LEAG vom 2. April könnte die Investitionsentscheidung „im Jahr 2021 erfolgen. Drei Jahre später könnte die Inbetriebnahme erfolgen.“ (LEAG prüft Bau einer Energie- und Verwertungsanlage, Pressemitteilung, 2. April 2019)

Wie passt das zu „Woidkes Wunderwaffe“, der Umrüstung des Kraftwerkes zu einem Wärmespeicher?

Zum von der Landesregierung (aber nicht von der LEAG) propagierten Wärmespeicherkraftwerk gibt es bisher keine Unterlagen, die eine fundierte Beurteilung zulassen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die großtechnische Nutzung von Salztanks zur Wärmespeicherung viel Platz benötigt, vor allem wenn eine schrittweisen Umrüstung bei laufendem Betrieb benachbarter Blöcke suggeriert wird. Es war also ohnehin nicht damit zu rechnen, dass eine solche Anlage die Leistung des bisherigen Braunkohlenkraftwerks auch nur ansatzweise erreichen kann. Das Müllkraftwerk blockiert mit 50 Hektar zusätzlich einen beträchtlichen Teil der direkt an das Altkraftwerk anschließenden Freiflächen.

Eine neue Müllverbrennungsanlage – ist das überhaupt durchsetzbar?

Die zwei Schornsteine von 62 m Höhe würden neben den 113 m hohen derzeitigen Kühltürmen immer noch unauffällig wirken. Möglicherweise geht die LEAG davon aus, dass eine Müllverbrennung dieser Größe an jedem anderen Standort deutlich mehr Widerstand aus der Bevölkerung zu erwarten hätte.

Ist ein Ende des Kraftwerkes Jänschwalde 2024 realistisch?

Die von der Bundesregierung eingesetzte „Kohlekommission“ hat keine Planungssicherheit zur Laufzeit älterer Kohlekraftwerke in der Lausitz geschaffen, was ein Grund für die Nein-Stimme der Vertreterin der Lausitzer Tagebaubetroffenen war. Die Reduktion der Emissionen soll nach dem Willen der Kommission jedoch zwischen 2023 und 2030 „möglichst stetig“ erfolgen und die Entschädigungszahlungen für Kraftwerksstilllegungen umso geringer ausfallen, je länger die Kraftwerke in Betrieb sind. Die GRÜNE LIGA hat bereits vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass es im „Revierkonzept“ der LEAG keine logische Begründung für die Laufzeiten der Alt-Blöcke in Jänschwalde und Boxberg gibt. Dass die behaupteten Laufzeiten nur dazu dienten, vom Staat Entschädigung für ohnehin geplante Stilllegungen zu erhalten, scheint sich immer mehr zu bestätigen. Die Kraftwerke Boxberg und Schwarze Pumpe laufen in allen Szenarien länger als Jänschwalde.

 

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